Schlafstörungen

Millionen Deutsche schlafen schlecht. Jede Nacht. Aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin sozusagen der Super-GAU, denn wir brauchen einen guten, erholten Schlaf zur Regeneration von Körper und Seele. Viele Prozesse im Körper laufen nachts nur dann reibungslos ab, wenn Patienten gut schlafen.

Guter Schlaf bedeutet nicht unbedingt perfekter Schlaf, und so erlebe ich es immer wieder, dass gerade ältere Patienten völlig unrealistische Erwartungen an ihren Schlaf haben. Im Alter reduziert sich der Tiefschlaf etwas, man wacht vielleicht auch etwas häufiger auf, das kann normal sein. Auch der Schlafbedarf kann sinken, muss aber nicht. Die Schlafdauer ist auch gar nicht so entscheidend wie die Schlafqualität. Entscheidend ist, ob man morgens erholt und gut gelaunt aufwacht, oder nicht.

Man kann vieles tun als Betroffener, um wieder besser zu schlafen. In erster Linie ist hier die so genannte „Schlaf-Hygiene“ wichtig. Hier machen meiner Erfahrung nach Patienten mit Schlafstörungen die häufigsten Fehler. Menschen, die schlecht schlafen, sind meistens völlig gerädert, schlafen dann aber mal eine kleine Runde am Tag ein, oder abends vor dem Fernseher, schonen sich am Tag (das Gegenteil wäre gut!) und gehen auch oft (zu) früh ins Bett, um sich dann stundenlang herumzuwälzen, oder nach zwei Stunden Schlaf hellwach die restliche Nacht im Bett zu liegen. Morgens trinkt man dann Kaffee, um überhaupt in Schwung zu kommen, oft ein, zwei weitere, gegen das Nachmittags-Tief. Die Gedanken kreisen oft schon ängstlich um die kommende Nacht. Das Bett verbindet man nicht mehr mit einem erholsamen Ruheort, sondern eher mit einem Folterinstrument.

Zu einer gesunden Schlafhygiene gehört es, zunächst ein Zeitfenster festzulegen, zu dem man gerne schlafen würde, also zum Beispiel von 23 Uhr bis 6 Uhr. Bei starken Schlafstörungen kann es auch sinnvoll sein, diese Zeit zunächst vorübergehend auf nur 6 Stunden zu beschränken. Meine Patienten finden das meistens eher brutal („aber ich schlafe doch sowieso schon so schlecht, jetzt soll ich mir auch noch DEN WECKER STELLEN??“) – ich sage darauf immer, dass es viel erholsamer ist, mal 6 oder 7 Stunden mehr oder weniger durchzuschlafen, als die ganze Nacht zu grübeln. Schläft man erstmal wieder besser, dann produziert der Körper auch wieder mehr Schlafhormone. Und abends ist man auch ordentlich müde.

Also, mutig etwas später ins Bett gehen, den Wecker stellen (ja, auch am Wochenende) und anfangs die Liegezeit im Bett begrenzen – das in Kombination mit ein oder zwei Akupunkturen in der Woche, die den gestörten Schlaf-Wachrhythmus wieder regulieren, wirkt wahre Wunder.

Weitere Dinge, die unterstützen können sind: Verzicht auf Koffein in jeder Form, kein Kaffee, keine Colagetränke. Möglichst kein Rotwein am Abend, überhaupt ist Alkohol nicht förderlich für den gesunden Schlaf. Abends leicht und früh essen (ab diesem Moment überlegen sich die meisten Patienten, ob es so eine gute Idee war, zu mir zu kommen)

Viel draußen bewegen (ich hatte noch NIE einen Patienten, der während einer mehrtätigen Hüttenwanderung in den Alpen über Schlafstörungen geklagt hat). Für Stressabbau sorgen, insbesondere in der zweiten Tageshälfte. Also keine anstrengenden Gespräche oder Konflikte am Abend austragen. Nach 18 Uhr Fernseher und Internet ausschalten, lieber nochmal einen kleinen Spaziergang um den Block machen. Keinen anstrengenden Sport am Abend, den Abend lieber ruhig ausklingen lassen. NICHT VOR DEM FERNSEHER EINSCHLAFEN, ganz schlechte Angewohnheit. Australische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Schlafstörungen sich gebessert haben, wenn man jeden Abend noch kurz notiert, was man an dem Tag Schönes erlebt hat, und was einem vielleicht Kummer und Sorgen bereitet. Offensichtlich hat das zwei Effekte, nämlich einmal, dass man die Sorgen, die man aufschreibt, erstmal für den nächsten Tag und nicht für die Nacht reserviert, und zum anderen, dass man die schönen Momente des Tages nochmal erlebt, und dadurch mit einem besseren Gefühl ins Bett geht – einfach mal ausprobieren.

Und ein wichtiger Tipp zu guter Letzt: der Körper reguliert schlechten Schlaf im Regelfall sehr gut aus. Das bedeutet, nach einer besonders schlecht geschlafenen Nacht kommt normalerweise eine bessere.

Schlafstörungen können sehr beeinträchtigend sein und man sollte auch abklären, ob eine behandlungsbedürftige Schlafstörung vorliegt, oder auch eine andere Krankheit dahinter steckt. Bitte wenden Sie sich bei länger dauernden Schlafstörungen, die Sie nicht alleine in den Griff bekommen, an Ihren Arzt.

Schlafstörungen aus Sicht der TCM können unterschiedliche Ursachen haben, eine der häufigsten wird chinesisch genannt: „der Geist (Shen) kommt nicht zur Ruhe“ – diese Patienten haben oft eine deutlich gerötete Zungenspitze und fühlen sich am Tag zwar einerseits erschöpft, aber andererseits auch innerlich unruhig und nervös. Es gibt viele weitere Symptome – wer interessiert ist, kann sich gerne bei uns beraten lassen. Oft sind kleine Änderungen im Alltag schon ausreichend, damit der Körper wieder zu einem erholsamen Schlaf findet.

Abteilung für Traditionelle Chinesische Medizin und Osteopathie
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